Hochsensibilität
Hochsensibilität,  Psychologie

Hochsensibilität – Was ist das?

Zu Beginn meines Blogs möchte ich gerne etwas genauer auf das Thema „Hochsensibilität“ eingehen.

Doch beginnen wir zunächst ganz allgemein: Hochsensibilität ist ein Begriff, mit dem ein durch Veranlagung bedingtes Persönlichkeitsmerkmal höherer reizbezogener Verarbeitungssensitivität bezeichnet wird. In anderen Worten: Es herrscht sowohl eine hohe Empfänglichkeit für bereits leichte Reize als auch eine schnell erreichte Übererregbarkeit durch ein Zuviel an Input. Es findet also eine unterschiedliche Art der Reizverarbeitung statt.

„Hochsensibilität bezeichnet eine im Vergleich zur Mehrheit der Menschen deutlich höhere Empfindlichkeit gegenüber äußeren und inneren Reizen aufgrund eines veranlagungsbedingt besonders leicht erregbaren Nervensystems. Das bringt eine subtilere, umfangreichere, nuancenreichere und intensivere Wahrnehmung mit sich; ebenso eine ausgeprägte Feinfühligkeit, eine höhere emotionale Reaktivität und eine gründlichere und komplexere Informationsverarbeitung. Damit einhergehen ein früheres Erreichen eines Zustands der Überstimulation und ein längeres Nachklingen des Erlebten. Hochsensibilität ist ein fest verankertes, unabänderliches Persönlichkeitsmerkmal, das bei 15-20 % der Menschen, Männern wie Frauen, auftritt.“ 

(Ulrike Hensel, Mit viel Feingefühl, 2014)

Hochsensibilität im Alltag

Hochsensible Personen (kurz: HSP) nehmen Reize aus ihrer Umgebung besonders stark wahr, wodurch sie sehr intensive Erfahrungen erleben. Durch eine sehr tiefschichtige Verarbeitung neigen HSP eher zur Introversion, brauchen also viel Zeit für sich allein, um in einer reizarmen Umgebung Erlebtes ausreichend „sacken lassen zu können“, da es noch lange emotional nachklingen kann.

Nicht selten kommt es zudem vor, dass hochsensible Menschen auch auf körperlicher Ebene besonders empfindlich auf Substanzen wie Koffein, Alkohol, Nikotin oder bestimmte Medikamente reagieren, auch neigen sie vermehrt zu psychosomatischen Beschwerden unter anderem in Form von Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten oder Hautausschlägen. Insbesondere Leistungsdruck und Stress macht HSP schnell zu schaffen. Bei der Hochsensibilität an sich handelt es sich um keine psychische Störung, jedoch sind hochsensible Menschen gefährdeter, Ängste oder auch Depressionen zu entwickeln.

Merkmale einer Hochsensibilität

Eine hochsensible Veranlagung kann durch eine Reihe von Merkmalen charakterisiert sein, welche gehäuft und vermehrt auftreten können. Zum einen wird HSP eine ausgeprägte Neigung zur Reflexion über die Welt, Gesprochenes und über Gefühle zugeschrieben. Bereits als Kinder widmen sie sich insbesondere den „Großen Fragen des Lebens“ und fallen durch eine präzise, sprachliche Ausdrucksweise auf.

Während viele hochsensible Menschen zusätzlich eher dazu neigen, auch mehr introvertiert zu sein, ist es dennoch nicht ausgeschlossen, dass manche HSP trotz hochsensibler Veranlagung eher dem Außen zugewandt, also eher extravertiert (high sensation seeker) sind.

Zudem haben HSP oft ein erhöhtes Empathievermögen, sie nehmen Gefühle und Gedanken der sie umgebenden Personen ungewollt auf, was leider auch schnell zur Überforderung und Abgrenzungsschwierigkeiten führen kann. Da sie folglich sehr unter negativen Energien oder einer angespannten Atmosphäre leiden, ist ihnen ein harmonisches, zwischenmenschlich ausbalanciertes Umfeld besonders wichtig.

Mit einer hohen Begeisterungsfähigkeit sowie oft vorhandener Kreativität und Ideenreichtum sind sie beruflich etwa in kreativen Branchen, aber auch in der Wissenschaft oder im sozialen Bereich gern gesehen. In Letzterem kann jedoch die nötige emotionale Abgrenzung zu herausfordernden Erlebnissen und Eindrücken leider eine Hürde darstellen.

HSP arbeiten sehr gewissenhaft und neigen zum Perfektionismus, übernehmen grundsätzlich gern Eigenverantwortung und schätzen ein unabhängiges Dasein. Sie haben einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und finden sich oft im Tier- oder Umweltschutz wider. Einer wissenschaftlichen Studie zufolge arbeiten Hochsensible überdurchschnittlich oft als Geistliche, Autoren, Historiker, Philosophen, Richter, Künstler und Forscher.

Hochsensibilität
Hochsensible Menschen fühlen sich oft „fehl am Platz“.

Herausforderungen & Risiken

Ein Leben als hochsensible Person kann aber leider oft auch sehr fordernd und anstrengend sein. Da HSP im alltäglichen Leben deutlich mehr Ruhepausen und Abschirmungsmöglichkeiten benötigen als neurotypische Menschen, ist es für sie von besonderer Bedeutung, einen gesunden Ausgleich sowie ausreichend Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, um Stress reduzieren und Burnout oder Depressionen vorbeugen zu können.

Da viele HSP aufgrund ihrer veränderten Wahrnehmung und Sensibilität oft verunsichert und/ oder überfordert sind, leiden sie nicht selten an einem mangelnden Selbstbewusstsein. Hier ist es besonders wichtig, dass sowohl HSP als auch deren soziales Umfeld und gesellschaftliche Umgebung verständnisvoll und mit Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse reagieren, sodass die durchaus positiv bereichernden Facetten einer Hochsensibilität ungeschädigt zum Ausdruck kommen können.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also erkennen, dass eine Veranlagung zur Hochsensibilität sehr komplex sein kann. Scheinbar banale Alltagsgegebenheiten können schnell zur Herausforderung werden, weshalb es von besonderer Bedeutung ist, dass hochsensible Menschen mit viel Achtsamkeit und Fürsorge auf ihre Bedürfnisse achten. Insofern dies in einem geeigneten Rahmen ermöglicht werden kann, birgt eine Hochsensibilität jedoch auch sehr viele Potenziale, um zu einer vielfältigeren, bunteren und feinfühligeren Welt beizutragen.

2 Kommentare

  • Eufinger Muriel

    Tolle Beschreibung der Hochsensibilität. Danke Dir 🙂 Mit bald 50 Jajre alt, habe erst vor 6 Jahren einen Namen über, was ich bin, setzten können. Und bin froh, dass Du sehr früh es erkannt hast. 🙂 Ein echt tolles Geschenk ist es. Aber nicht immer einfach in dieser Welt auszuleben…
    Ganz liebe Grüsse und viel Erfolg mit Deiner Blog 🙂

    • herzgefuehl

      Liebe Muriel,
      vielen Dank für dein Feedback! 🙂 Ja, das stimmt, es hat sowohl schöne als auch leider schwierigere Seiten… 🙂 Wichtig ist wohl, dass am Ende das Positive überwiegt!
      Vielen Dank, ich sende auch liebe Grüße zurück an dich und alles Gute weiterhin auf deinem Weg! 🙂

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