Bildung
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Bildung: Stellenwert & Rolle in unserer Gesellschaft

Nachdem es im letzten Beitrag unter anderem bereits um die Bedeutung und Auswirkungen unterschiedlich aufgebauter Gesellschaftssysteme, sowie gesellschaftlicher Regeln und Normen auf den individuellen Menschen ging, möchte ich diesen Beitrag einem Thema widmen, das ebenso stark mit gesellschaftlichen Vorstellungen verknüpft ist: die Bildung.

Die gesellschaftliche Rolle von Bildung

Dass Bildung eine immer größer werdende Rolle in unserer Gesellschaft einnimmt, ist kaum zu übersehen. Der demographische Wandel sowie die Umverteilung und Modernisierung von Arbeitsmärkten hebt unter anderem auch die Wirkung und Rolle von Bildung im individuellen Lebenslauf und hiermit verbunden auch unterschiedlichen Bildungsabschlüssen noch stärker hervor. Doch umgekehrt können auch etwa die Höhe des Einkommens als auch der gesellschaftliche Status, Lebensstil und soziales Umfeld vom individuellen Stellenwert von Bildung im eigenen Leben beeinflusst werden.

Eine Vermarktung von Humanpotenzial

Bildung und Ideale
Das humboldt’sche Bildungsideal beschreibt eine Idealvorstellung des Bildungsbegriffs

Aus dem Humboldt’schen Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt geht hervor, was Bildung eigentlich bedeuten sollte und wie sie sich im Idealfall gestalten würde. Demnach soll durch Bildung Selbstemanzipation, Reflexion und Meinungsbildung gefördert werden, eine persönliche Entfaltung von Interessen stattfinden können, sowie ein besseres Verständnis der Welt, in der wir leben, ermöglicht werden.

Doch in der Realität distanziert sich der Stellenwert von Bildung in unserer Gesellschaft leider zunehmend von den humboldt’schen Standards: Betrachtet man etwa anhand von Google-Suchen, womit der Bildungsbegriff im öffentlichen Sprachgebrauch am stärksten verknüpft wird, zeigt sich, dass der eigentliche Sinn und Zweck von Bildung hier nur wenig vertreten ist. Stattdessen wird der Begriff vor allem auf seine Verwertbarkeit am Arbeitsmarkt hin abgeklopft.

Aus einem scheinbaren Humanpotenzial entsteht ein im internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb zu verwertendes Humankapital. Auf dieser Basis kommt es etwa dazu, dass sich auch Forschung im Bildungsbereich weniger nach Fragen einer Verwirklichung des Humboldt’schen Ideals richtet, sondern vor allem die Bereitstellung von arbeitsmarktnützlichen Informationen und Werkzeugen im Fokus steht.

Ungleiche Chancenverteilungen im Bildungszugang

Bildung und Erfolg

Doch nicht nur in heruntergebrochenen Inhalten und der zweckrationalisierten Art der Bildungsvermittlung zeigen sich Systemschwächen. Diverse Studien bestätigen, dass der Zugang zu Bildung, etwa in Form von Zugang zu höheren weiterbildenden Einrichtungen wie Universitäten, immer noch stark von vorherrschender sozialer Ungleichheit bestimmt wird.

So liegt etwa in Österreich die Wahrscheinlichkeit, einen akademischen Abschluss zu erlangen bei 48%, wenn die eigenen Eltern auch einen akademischen Abschluss absolviert haben. Die Rolle der sozialen Herkunft, also etwa der Bildungsstand, das Einkommen oder der Beruf der Eltern wirkt hierbei ebenso diskriminierend, wie die ethnische Herkunft, das Geschlecht oder der Wohnort. Der hiermit (nicht) erlangte Bildungsabschluss wirkt sich folglich auf das weitere Berufsleben, wie Einkommen oder Führungs- & Fachkräftepositionen aus.

Doch wie könnte man der ungleichen Chancenverteilung in Bezug auf Bildung effektiv entgegenwirken?

Lösungswege für mehr Fairness in Bildung

Fairness

Eine Möglichkeit, sozialer Ungleichheit im Bildungssektor gegenzusteuern, wäre die Einführung einer Gesamtschule. Da die Vor-Selektion in Gymnasium oder Mittelschule im Alter von 10 Jahren bereits sehr früh dazu führt, dass Kindern aus eher bildungsfernen Haushalten eine Chance auf späteren Bildungserfolg deutlich erschwert wird, könnte es durch die Einführung einer Gesamtschule zu einem verhältnismäßigen Ausgleich der individuellen Möglichkeiten und Potenziale kommen. Nach einer bisher stattgefundenen Schulen-Selektion sinkt etwa in Mittelschulen nachweislich die Lernmotivation, außerdem geht der Umgang von ärmeren mit reicheren Kindern verloren.

Eine weitere Möglichkeit wäre der Ausbau von Kleinkindbetreuung, um allen Kindern bereits möglichst früh die Gelegenheit bieten zu können, mit anderen gemeinsam zu lernen. Auch sollten Schulen für Kinder mit höherem Förderbedarf mit mehr staatlich finanzierten Mitteln ausgestattet werden. Durch die Einführung eines Chancenindex könnte die Zuteilung dieser Mittel zielführender vergeben werden, wobei als Basis für die Bildung des Index der Bildungshintergrund der Eltern oder auch die Umgangssprache der Kinder herangezogen werden kann.

Zusammenhalt

Fazit – Bildung

Der Bildungsbegriff ist vielfältig. Ebenso wie seine Umsetzung in der Gesellschaft. Durch eine gerechtere und gleichere Verteilung von Chancen und Ressourcen, kann es ermöglicht werden, dass alle Individuen einer Gesellschaft gleiche Zugangsmöglichkeiten zur Bildung erhalten und erlangtes Wissen neben einer persönlichen Weiterentwicklung auch anwenden und verwerten können.

Leistungsfremde Merkmale, wie etwa die soziale Herkunft dürfen keinen Einfluss mehr auf den Bildungserfolg haben. Stattdessen sind es einzig die eigene Anstrengungsbereitschaft, Motivation und das individuelle Interesse, welches einen Einstieg und auch ein Vorankommen im Bildungssystem ermöglichen.

Trotz wirtschaftsbezogener Kosten-Nutzen-Abwägungen sollte der eigentliche Sinn und Zweck von Bildung (gemäß eines Humboldt’schen Ideals) nicht vollkommen in Vergessenheit geraten, sodass eine freie Entfaltung und Weiterentwicklung des Verstandes & Geistes den letztlichen Sinn von Bildung darstellt.

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