U6 U-Bahn
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U6 zu Mittag – Geschicht’n aus der Wiener U-Bahn

Wie wunderschön die Stadt Wien ist, weiß jeder, der die österreichische Hauptstadt schon einmal besucht hat. Nicht umsonst wurde die Metropole gleich mehrfach zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt.

Jährlich zieht der zauberhafte und zugleich so kulturell vielfältige Flair Wien’s Massen an Menschen in die Stadt, doch auch unter den dauerhaften Einwohnern Wien‘s finden sich zugleich Menschen aus allen Ländern und Weltregionen.

Neben zahlreichen Attraktionen sowie auch der rein Wienerischen Atmosphäre an sich, gibt es vieles, das durch einen Aufenthalt in der Hauptstadt einen unvergesslichen Abdruck im Herzen hinterlässt.

Doch heute soll es insbesondere um ein Thema gehen, welches besonders jene unter uns nachfühlen können, die selbst aus Wien stammen oder sich dazu entschieden haben, regelmäßig in Wien sesshaft zu werden –  es geht nämlich um: das Wiener Verkehrsnetz.

Das Wiener Verkehrsnetz als Herzstück Wiens

Genauer gesagt, geht es um das Wiener U-Bahn-Verkehrsnetz und um endgültig ins Detail zu gehen, die in Wien weitbekannte U-Bahn-Linie U6.

Dass besonders zu den alltäglichen Stoßzeiten gegen Mittag und Spätnachmittags die U-Bahn Linien besonders ausgelastet sind, ist in einer Metropole wie Wien wohl wenig verwunderlich.

Doch mit dem an dieser Stelle insbesondere nennenswerten Flair der Linie U6 kann dann doch so schnell keine andere U-Bahn Linie der Stadt Wien mithalten.

Was den speziellen Charme der U6 für all die WienerInnen unter uns so kennzeichnet, darauf möchte ich im Folgenden in einer überspitzt, ironisch-witzhaften Weise etwas genauer eingehen.

Mittags in der U6

U-Bahn Getummel

Ein Auszug aus einem alltäglichen Szenario:

„Bereits beim Hinauflaufen der Stufen zur U-Bahn-Haltestelle Währinger Straße der U-Bahn-Linie U6 fällt auf, dass heute wieder besonders viele Leute unterwegs sind.

Es ist halb Eins mittags, die Sonne scheint prall vom Himmel und die Leute tummeln sich scharenweise in den Gängen der Wiener U-Bahn-Haltstelle.

Oben angelangt stehen bereits zahlreiche Menschen ungeduldig wartend am Steg neben den Gleisen, denn: die U6 hat Verspätung.

Ob es nun ein technischer Ausfall war, Bauarbeiten, oder andere Gründe dazu geführt haben, dass sich die Menschenmasse am U-Bahn-Steig im Sekundentakt exponentiell vergrößert, bleibt wohl offen. Was jedoch klar ist, ist, dass die U-Bahn nicht kommt.

Am Bahnsteig-Dschungel

Ungeduldige Blicke auf die Uhr, am Nachbarsteig gegenüber trudeln der Reihe nach neue Wagen ein, laden Menschen ab und nehmen sie zugleich wieder auf. Neben mir trägt ein junger Mann mit Dreads eine anderthalb Meter große Zimmerpalme auf Kopfhöhe neben sich her. Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Durchsage. Achtung vor den Bahngleisen und ein Aufruf zum Tragen der Schutzmaske in den aktuell wütenden Corona Zeiten. Wenige Sekunden später trifft die U-Bahn, wenn auch verspätet, doch noch ein.

Die Wagontüren öffnen sich, sodass die Menschenmengen aus den Abteilen strömen können, wie Reiskörner aus einem Sack, der gerade angeschnitten wurde. Mit einem flüchtigen Blick zur Seite fällt auf, dass an den anderen Tür-Zugängen bereits beinahe alle Neueinsteiger in den Wägen sind.

Panik kommt auf, schnell noch rein in die U-Bahn, bevor die Türen vor der Nase schließen (was durchaus auch eine realistische Option darstellen kann)!

Das Erst-mal-die-Aussicht-genießen-Phänomen

Ein weitbekanntes Phänomen, das sich unmittelbar nach dem Einstieg in den Wagen immer wieder beobachten lässt, ist jenes: das Erstmal-stehen-bleiben-und-die-Aussicht-genießen-Phänomen.

Während hinter einem die Leute sich drängelnd in die U-Bahn durchquetschen, um auch wirklich noch alle an der aktuellen Fahrt teilnehmen zu können, bleibt der Vordermann sobald er seinen Fuß über die Türschwelle gehoben hat, demonstrativ erstmal abrupt stehen.

Er geht nicht zur Seite, oder einfach weiter, sodass alle der Reihe nach hinein gelangen könnten, nein, die malerische Atmosphäre der U6 lädt erstmal zu einem ausgiebigen Bestaunen der vielen Festhaltemöglichkeiten, befleckten Fenster und von der Sommerhitze erdrückten Mitfahrer im Wagen ein.

Nachdem wenige Minuten später alle Menschen nun doch mehr oder weniger erfolgreich im Wagen untergebracht sind, ertönt auch bereits das Piepsen, welches das Schließen der Türen ankündigt.

Das Kirsch-Sahnehäubchen in der U6

Doch dann geschieht es: Mitten aus dem Nichts können plötzlich in neblig-verwaschener Ferne weitere Personen im Eiltempo sprintend gesichtet werden, um in Sturzlandung auf den U-Bahn-Wagon, auch noch dem prall gefüllten Abteil zusteigen zu können – 2 Kinderwägen für Vierlinge, ein Stadtfahrrad, sowie eine anderthalb Meter große Zimmerpalme sind auch mit dabei.

Was zugegebener Weise zunächst als absolutes Kirsch-Sahnehäubchen bezüglich einer maximalen Unterbringung an Fahrgästen und allgemein verfügbarem Stauraum den bereits eingestiegenen Personen schockhaft entgegenschlägt, kann glücklicherweise durch lang eingeübtes Geschick und Routine der treuen Wiener U-Bahn-Fahrgäste selbstverständlich auch noch mit akribisch-ausgemessener Millimeterarbeit erfolgreich behoben werden.

Der nötige Platz wurde freigeräumt, und nachdem sich alle fertig übereinander gestapelt haben, fährt der Zug endlich los.

Von Baby-Geschrei und 50 Cent

Die Sommerhitze steht eingeengt zwischen den einzelnen Fahrgästen, bereits längst nicht mehr möglicher Abstand zum Vorder- Hinter- Ober- & Untermann wird versucht, in verzweifelter Weise doch noch irgendwie eingehalten zu werden. Manchmal treffen sich peinlich berührte und von der Menschenmenge erschöpfte Blicke und lösen sich wieder.

Dann fangen die Vierlinge an zu schreien. In ihrer trotzigen Mittagsmüdigkeit und überfordert von den vielen Menschen, geben die kleinen Quälgeister ihrem empfunden Unmut über die Gesamtsituation hemmungslos freien Lauf, sodass der ein oder andere sich dabei erwischt, zu fragen, ob er denn nicht einfach mitschreien sollte?

Doch bevor diese Entscheidung (vorschnell) getroffen werden könnte, wird es auch gottseidank bereits von einem neuen Ereignis abgelöst, als das Mobiltelefon einer Frau im vorderen Sitzbereich plötzlich anfängt in maximaler Lautstärke zu klingen.

„In Da Club“ von 50 Cent erfüllt unweigerlich und schlaghaft den gesamten Raum, und zugegebener Weise – erscheint es gar nicht mal so abwegig.“ 😉

Die bereichernden Momente in der U6

Ja, ja, die Bandbreite an Eindrücken und Erfahrungen aus einer alltäglichen U6-Fahrt im Herzen des Wiener Verkehrsnetzes lässt sich wohl noch ewig eindrucksvoll weiterschildern. Doch was hier ironisch-scherzhaft und teils auch mit etwas spitzer Zunge beschrieben wurde, weist durchaus auch Momente für uns auf, die in der Tat wirklich bereichernd für unser aller Leben sind.

So lehrt uns das Aufeinandertreffen der vielen unterschiedlichen, einzigartigen Menschen und Kulturen doch immer wieder vor allem eines: Geduld und Feinfühligkeit, sowie Achtsamkeit im menschlichen Umgang miteinander.

Es lehrt uns, bedacht Rücksicht auf andere zu nehmen, die Augen offen zu halten, sowohl für unsere eigenen als auch für die Bedürfnisse anderer und uns umgebender Menschen.

Einen Schritt zurückzutreten, wenn andere die Hilfe oder Erleichterung im Alltag gerade mehr gebrauchen können als wir selbst. Unter die Arme zu greifen, wenn Bedarf herrscht und Hilfe nötig wird. Stetig dazuzulernen, sowohl durch den Umgang anderer Menschen als auch den eigenen mit Situationen, in denen es brenzlig wird und zwischenmenschliches Engagement gefragt ist.

Fazit

U6

Das Wiener Verkehrsnetz ist breitflächig, sowohl in seinen vielen U-Bahn-Linien als auch in der Fülle an Eindrücken und Erfahrungen die im alltäglichen Umgang mit Menschen in den gut befüllten U-Bahn-Wägen gemacht werden können.

Obwohl wir in unserem Alltagsstress und Hektik oft dazu geneigt sind, mit eingeengter Sicht durch unsere standardmäßigen Wegroutinen, u.a. auch im Verkehr mit U-Bahnen zu eilen, lohnt es sich, auch in der U-Bahn hier und da inne zu halten und unseren Mitfahrgästen mit einem zusätzlichen Maß an Rücksicht und Verständnis zu begegnen.

Für viele von uns gehört es zur alltäglichen Routine, das Verkehrsnetz der Wiener Linien zu verwenden, um in der Metropole von A nach B zu gelangen.

Wäre es dann nicht viel schöner, wenn wir auf diese Weise auch die zunächst unnötig erscheinende Zeit in den Öffis sinnvoll und bereichernd für uns und andere Menschen nutzen können?

Oft sind es die kleinen Gesten im Alltag, die menschliche Verbindung zueinander schaffen und letztendlich den zusammenhaltenden Kleber einer funktionierenden Gesellschaft darstellen.

Indem wir auch auf unseren U-Bahn-Fahrten einen rücksichts- & verständnisvollen Umgang unter- & miteinander üben, erleichtern wir uns gegenseitig unumgängliche, alltägliche Hürden und tragen zu einer einzigartigen Verbindung unter uns Menschen bei, die am Ende des Tages doch unser aller Leben in entscheidendem Ausmaß prägt.

Und ganz ehrlich, gibt es auch Schöneres, als das von Herzen kommende, dankbar-glückliche Lächeln einer älteren Person, nachdem du ihr deinen Sitzplatz achtsam und freiwillig selbst zur Verfügung gestellt hast?

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